Ich merke, wie ich an ihm hänge. Und dass es schon zu spät ist da so 100% easy wieder rauszukommen. Weil wir nicht miteinander geschlafen haben, sondern auch einen ähnlichen Freundeskreis aufbauen, das gleiche studieren, uns drei Mal die Woche so oder so begegnen, eher mehrmals. Gleichzeitig “kommt er nicht rum”, bleibt vage was Treffen angeht. Er mag mich, wir verstehen uns, aber er ist nicht “on fire”. Das merke ich auch. Vermutlich bin ich sympathischer Sex.
Bist du des absoluten Wahnsinns? frage ich mich deshalb heute morgen. Ich hab die Nacht scheiße oder gar nicht geschlafen und an der Uni eine von zwei freien Fehlen genutzt um mich einfach nach dem Weckerklingeln wieder umzudrehen.
Jetzt bin ich aufgestanden, habe die schönste Musik auf der Welt angemacht und schreite stolzen Schrittes durch die Wohnung, mich verständnislos fragend, warum ich so auf emotionalen Selbstmord stehe.
I need to focus.
Ich habe die extremste emotionale Verletzung meines Lebens jetzt einigermaßen hinter mich gebracht, leide ab und an immernoch psychisch an den Folgen, und renne doch leichtfertig blind in die nächste Katastrophe. Nicht die Sache an sich, sondern wie vertrauensvoll und naiv ich mich so darauf einlasse, ist das Problem.
Und das, obwohl ich gerade versucht bin, einfach aufzublühen. Ich lerne tausend Menschen kennen und komme wohl irgendwie auch gut an. Ich habe Zeit, ich habe Mut. Jetzt ist die Zeit alles zu tun, alles zu erreichen, zu stürmen, zu verändern. “Du wirkst schon ziemlich extrovertiert”, sagt er und ich muss schmunzeln. Mein Selbstbewusstsein war in der Tat nie größer.
So, get your shit together.
Weil ich ein derartiges Drama nicht gebrauchen und psychisch auch nicht ertragen kann. Weil ich mich nicht noch einmal so vor jemand anderem klein mache. Weil es, so klar betrachtet, auch einfach lächerlich ist. Weil ich geduldig bin. Weil jetzt andere Dinge zählen.
Ich schrieb, dass ich alles auch umsetzen kann, was ich wirklich entscheide. Und diese Entscheidung fühlt sich in mir an wie ein Überschwappen, ein Richtungswechsel ohne Rückkehr, der wirklich gewollt sein muss. Man streicht den alten Frame ab und legt sich einen neuen zu, mit dem man weiter macht. Man lässt los.
Was mich bisher an diesem Framewechsel hindert? Die leisen und süßen Stimmen in meinem Kopf, die mir einflüstern, dass ich dadurch etwas verpassen könnte: Leidenschaft und Abenteuer. Die Liebe, vielleicht. Ja, vielleicht. Vielleicht und wahrscheinlich ist er aber auch eine Einbahnstraße. Und durch die Fata Morgana rennend stürze ich dann in eine Schlucht.
Dann lieber das weniger Aufregende: Stabilität. Hm.

Ich kenne Deine Situation. Ähnliches passierte mir vor 4 Jahren. Ich hab in dieser Zeit viel über mich gelernt, viel Zeit mit mir selbst verbracht und viel Zeit in den unterschiedlichsten Vergnügungslokalitäten meiner Stadt vertrieben.
Bei mir dauerte es 2 Jahre, bis ich “frei” war. Ich wollte nicht loslassen. Warum ich Dir das erzähle? Weil ich Dich warnen möchte.
PU und das ganze “harte-Mann” getue hat mir kurzfristig Aufschwung gegeben. Ich war der Meinung ich könnte alles, ich darf alles und ich wäre das coolste Schwein auf gottes grüner Wiese. Trugschluß. Ich viel noch tiefer.
Und was möchte ich Dir mitteilen? Lass Dir Zeit, nimm Dir Zeit für Dich und sei vorsichtig mit dem PU Kram. Kurzfristige Bestätigung erfolgt schnell… Zu schnell. Mein Frame konnte von mir nicht gehalten werden und so viel alles wieder zusammen. PU macht Mut, gibt Kraft. Doch passt die innere Einstellung nicht, so fällt auch irgendwann der außere Rahmen.
Sei vorsichtig – All game is inner game.